Tiere kostenlos abzugeben: ein unterschätztes Risiko
Von unserer Redaktion – van Loveren
Auf Online-Kleinanzeigenplattformen werden täglich Haustiere von Privatpersonen angeboten. Wer diese Anzeigen aufmerksam verfolgt, erkennt schnell ein auffälliges Muster: Viele Tiere werden kostenlos abgegeben. Nach Angaben des Vereins La Gula Lupis birgt genau das erhebliche Risiken. Was sich für einen Halter wie eine schnelle und ordentliche Lösung anfühlt, kann für das Tier der Beginn großer Probleme sein.
Der Verein, der sich für den Tierschutz einsetzt, liest täglich Anzeigen, in denen Tiere gratis angeboten werden. Gerade diese kostenlosen Angebote ziehen nicht nur wohlmeinende Tierfreunde an, sondern auch Händler. Für sie ist es ein einfacher Weg, günstig an Zuchttiere zu kommen. Das Tier wird abgeholt, der ehemalige Besitzer glaubt, alles sei geregelt – doch was danach geschieht, bleibt oft unklar.
Dass es nicht immer schlecht ausgeht, räumt der Verein ein. Viele Tiere finden tatsächlich ein liebevolles neues Zuhause. Dennoch stellt sich die Frage, ob Halter dieses Risiko eingehen sollten. Aus Sicht von La Gula Lupis ist die Antwort eindeutig: nein. Mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen lässt sich viel Tierleid verhindern.
Kein Tier ist „gratis“
Ein zentraler Grundsatz lautet: Ein Tier sollte niemals kostenlos angeboten werden. „Ein Tier ist ein lebendiges Wesen und kein Gebrauchsgegenstand“, betont der Verein. In Anzeigen ist häufig zu sehen, dass das Tier gratis abgegeben wird, während Zubehör wie ein Käfig bezahlt werden muss. Nach Ansicht des Vereins sollte es genau umgekehrt sein. Einen Käfig kostenlos zu einem Hamster anzubieten wirkt deutlich verantwortungsvoller, als einen Hamster gratis zu einem Käfig abzugeben.
Sorgfältige Weitergabe braucht Zeit
Wer ein Tier weitervermitteln muss, sollte sich Zeit nehmen. Ein ernsthafter Tierliebhaber versteht, dass ein Tier beim ersten Besuch nicht sofort mitgegeben wird. Auch das Bitten um einen Ausweis kann helfen – Händler fühlen sich dabei meist unwohl. Bis zum letzten Moment behält der Halter zudem die Möglichkeit, doch noch „Nein“ zu sagen.
Zusätzliche Sicherheit bietet es, das Tier selbst an die neue Adresse zu bringen. So kann der Besitzer sich ein Bild von der Umgebung machen und einschätzen, ob sie für das Tier geeignet ist. Auch hier gilt: Fühlt es sich nicht richtig an, kann das Tier wieder mitgenommen werden.
Manche Halter möchten nach der Weitergabe gelegentlich erfahren, wie es dem Tier geht. Das ist keine Pflicht, kann aber vorab klar vereinbart werden, zum Beispiel durch einen Hinweis in der Anzeige wie: „Ich würde mich über gelegentliche Updates freuen.“
Unterstützung durch Vermittlungsorganisationen
Wer diese Schritte als zu aufwendig empfindet, kann sich an eine Vermittlungs- oder Herplatzierungsorganisation wenden. Diese übernehmen einen Teil der Verantwortung und arbeiten häufig mit Schutzverträgen. Dennoch betont der Verein, dass Tierhalter auch selbst viel tun können, um eine verantwortungsvolle Weitergabe zu gewährleisten.
Warum kostenlose Tierabgaben problematisch sind
Der Verein La Gula Lupis macht keinen Hehl aus seiner Haltung: Kostenlose Tierabgaben erhöhen das Risiko von Missständen erheblich. Durch bessere Aufklärung von Haltern und klarere Regeln auf Anzeigenplattformen ließe sich viel Leid vermeiden. Oft handelt es sich schlicht um Unwissenheit. „Wir hören häufig den Satz: ‚Hätte ich das nur vorher gewusst‘“, so der Verein.
Tiere, die in die Hände von Händlern geraten, werden häufig für die Zucht, für Tierkämpfe oder sogar für Vivisektion missbraucht. Die Folgen sind gravierend: schlechte Haltungsbedingungen, kranke Nachkommen und genetische Defekte. Wer sich bewusst für einen seriösen Züchter oder eine sorgfältige Weitervermittlung entscheidet, reduziert diese Risiken deutlich – zum Wohl der Tiere und auch der zukünftigen Halter.
